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Content-Marketing für Gastronomen - Experteninterview

09. Januar 2014 von Steve Heinecke

Was können speziell kleinere und mittelständische Unternehmen tun, um ihren Onlineauftritt zu optimieren? Bookatable hat mit Stefan Rosenträger über das Thema Content für KMUs gesprochen. Stefan ist Experte zum Thema Online-Marketing, Content und Social Media.

 

-    „Content is King“ diese Phrase ist in aller Munde. Wie wichtig ist Content wirklich?

Das stimmt, man liest es überall und mich persönlich begleitet dieser Satz seit 2008. Heute noch fängt jeder zweite Artikel mit „Wir alle wissen, Content is King…“ an. Aber: Man kann es nicht oft genug betonen, dass hochwertige Inhalte zählen. Insofern kommt der Satz für mich keinesfalls aus der Mode. Nicht umsonst sagt Joe Pulizzi, Gründer des Contentmarketinginstitute und Experte für Content-Marketing: „Content is the present – and future – of marketing”.
Egal welcher Marketing-Kanal: Alle werden durch Content in Gang gehalten. Text- und Bildanzeigen in AdWords, Display, Affiliate oder Blogbeiträge und Webseitentexte für SEO – Content ist das Öl, das den Marketing-Motor antreibt.
Ich habe mich in der letzten Zeit häufig mit Content-Strategen und –Beratern unterhalten. Sie tun sich nach wie vor schwer, Unternehmen zu vermitteln, dass Content ein strategischer Wert und mehr als „kreative Texte und Bilder“ ist. Aber zum Glück haben wir Google, die jetzt mit einem Paukenschlag individuellen Content in den Mittelpunkt des Interesses gerückt haben.


-    Was ist wirklich guter Content?

Laut gängiger Definition ist guter Content relevant und optimal auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen ausgerichtet. Wie erreicht man Relevanz? Überlegen wir uns, wie und warum wir Content erstellen. Wir alle streben mit dem Content, den wir erstellen, nach Relevanz und danach, unser Gegenüber zu erreichen. Das geht schon im Kindesalter los, wenn man für Mama und Papa ein Bild malt und dafür gelobt werden möchte. Dann kommt die Schule, in der man uns erst Sternchen ins Hausaufgabenheft klebt, dann ein gutes Zeugnis für unsere Leistungen ausstellt. Im Beruf schreiben wir Bewerbungen, um den Job zu finden, der unseren Anforderungen entspricht.
Wir produzieren also sowohl privat als auch beruflich permanent Content, der von anderen als gut oder schlecht eingestuft wird. Dabei sind wir am erfolgreichsten, wenn wir authentisch sind, uns aber gleichzeitig Gedanken darüber machen, was wir gerade tun. Der Mix aus Kreativität und Planung macht also guten Content!
Lesenswert zur Definition von Content ist der Beitrag „Trouble with Content“ von Rachel Lovinger, die selbst Content Strategin bei Razorfish ist. Dort bringt sie den Vergleich mit dem Chefkoch, der nicht gerne als „Essensmacher“ bezeichnet und auf die Tätigkeit „Essen machen“ reduziert werden möchte. Genauso geht es denen, die „Content machen“. Richtig guter Content ist also wie Essen. Man kann es schnell und billig haben oder man investiert Zeit und Mühe.

-    Muss guter Content immer teuer sein?

Das hängt klar von der jeweiligen Zielgruppe und dem Kontext ab. Allgemein können Unternehmen jeder Größe professionellen Content erstellen, der dann der Zielgruppe auch „schmeckt“. Insgesamt würde ich gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen dazu raten, lieber mit einer Art von Content zu starten und nicht gleich ein ganzes Arsenal an Maßnahmen aufzufahren. Eine Content-Strategie ist immer Pflicht. Nicht nur, um bestehenden Content auf dessen Verwertbarkeit und Qualität zu analysieren. Sondern auch um spätere Unkosten bei der Erstellung und Distribution von Inhalten zu vermeiden!
Viele durchgeführte Content Audits, also Status Quo Analysen der vorhandenen Inhalte, führen zu dem Ergebnis, das bereits sehr viel guter Content vorhanden ist und man mit wenig Geld und Planung daraus neue Potenziale erschließen kann. Beispiele: Katalog- und Produktdaten im Warenwirtschaftssystem, Schulungsunterlagen, Dokumentationen etc.


-    Brauchen auch Klein- und Mittelstandsunternehmen Content? Lohnen sich Aufwand und Kosten?

Klare Antwort: Ja! Beim Thema Content-Marketing denkt jeder an die schillernden Großkonzerne, insbesondere RedBull und Coca Cola, die sich schon fast zu eigenen Medienhäusern entwickelt haben, um hochwertige Inhalte, die nicht wie Werbung aussehen, zu produzieren. Aber eine wichtige Grundregel besagt: Es gibt keine „unsexy“ oder nicht lohnenswerte Branchen und Themen für Content. Das gilt auch für die Unternehmensgröße. Ein Klempner beispielsweise kann seine Zielgruppe dadurch erreichen, dass er z.B. über lokale Bäderausstellungen berichtet oder kleine How to-Anleitungen auf seiner Homepage präsentiert und aufzeigt, wann man ihn braucht und wie man verhindert, dass es zu Verstopfungen in der Spüle kommt o.ä. Dabei kann man auch witzig oder kreativ sein.
Ein anderes gelungenes Beispiel ist eine Malerfirma, die ich letztens in einer Content-Strategie Community auf Google + entdeckt habe.
Neben einem Online-Showroom rund um Farbtrends, Wanddeko u.ä. hat der Betreiber einen Blog eingerichtet, hält Vorträg und hat sogar einen Online-Marktplatz für Deko-Trends auf seiner Seite. „Malerische Wohnideen“ hat sogar bereits einen KMU-Preis gewonnen. Und sie haben eine „Liebeserklärung eines Handwerksbetriebes“ verfasst ;) Alles in allem sind Geschmäcker natürlich verschieden, aber das Ziel, authentischen und individuellen Content als kleiner Handwerksbetrieb auf die Beine zu stellen ist voll erreicht.
 

content-KMU

-    Welchen Tipp oder Tipps hast du für alle, die sich inspiriert fühlen und nun auch hochwertigen Content schaffen wollen?

Wer sich unsicher ist, ob er selbst das Zeug hat, hochwertigen Content zu produzieren, sollte durchaus im ersten Schritt im Rahmen eines Content-Audit ermitteln, ob er nicht bereits einen Fundus an hochwertigen Inhalten hat. Gleichzeitig lassen sich innerhalb eines Unternehmens immer ein paar Mitarbeiter motivieren, als „Schreiberlinge“ aktiv zu werden. Das Wissen und den Erfahrungsschatz seiner Mitarbeiter sollte man nutzen und dies nach außen seinen Kunden zeigen. Keinesfalls sollte man Content als lästige Pflicht sehen. Man kann sich auch professionelle Ghostwriter, Content-Strategen oder Agenturen suchen, die gemeinsam mit einem Inhalte erarbeiten, die der Zielgruppe „schmecken“.

 

Im zweiten Teil dieses Interviews erfahrt Ihr, wie man eine Content Strategie entwickelt und umsetzt.

 

 


Alle Fotos in diesem Artikel (c) von Stefan Rosenträger.

Über den Autor Steve Heinecke

Steve arbeitet und lebt in Berlin. Nach seinem Studium verbrachte er einige Zeit in Ägypten und schwärmt seitdem von der sehr schmackhaften, ägyptischen Küche. Vor allem vermisst er Om Ali, ein sehr beliebtes Dessert, zu dem eigentlich immer ein schöner Karkadeh (Hibiskustee) passt. Wer in Ägypten einmal gemütlich essen gehen möchte, dem Kamelfleisch grundsätzlich nicht abgeneigt ist und einen perfekten Service mag, dem empfiehlt er das Restaurant B’s at Marina in Hurghada.
Steve Heinecke
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