Bookatable folgen

Fan–Ger–Food – Fingerfood auf brasilianisch für Fans

17. Juni 2014 von Chris Kurbjuhn

So, Fernseher an, gleich gibt‘s Fußball. WM in Brasilien, Supersache! Bier ist da, Wein ist da, fehlen nur noch die Salzletten und die Gold-Fischli... Nein. Auf keinen Fall. Die Salzlette konnte gerade noch so eben das Wunder von Bern begleiten, 2014 ist sie nun wirklich nicht mehr zeitgemäß und ein Comeback der Fischli ist gottseidank nicht in Sicht. Aber lange TV-Nächte verlangen nach entsprechender Verpflegung, wenn man sich um kurz vor 12 entschließt, noch das Mitternachtsspiel dranzuhängen, darf der gefürchtete Hungerast nicht drohen. Wir empfehlen den Fans brasilianisch angehauchtes Fingerfood für deutsche Fans, also »Fan-Ger-Food«. Fan-Ger-n wir an, wofür steht Brasilien? Karneval, Samba, 5 Weltmeistertitel und – Caipirinha, natürlich. Wir stellen uns einen Caipi-Dip auf den Couchtisch. Dazu gibt‘s Garnelenspieße (holen wir fertig aus der Tiefkühltruhe), Quibe und – was Süßes muss sein – »Nega Meluca«. Lasst euch überraschen!

 

 

Für den Caipirinha-Dip brauchen wir 2 bis 3 reife Avocados, 3 Frühlingszwiebeln, Minze, etwas Hühnerbrühe, Limettensaft, 1 Teelöffel Rohrzucker, Cachaca (Zuckerrohrschnaps) und Olivenöl nach Belieben, Salz, Pfeffer, scharfes Paprika-Pulver. Avocados halbieren, entkernen und das Fruchtfleisch mit einem Löffel rausholen. Sofort mit dem Limettensaft beträufeln, damit es seine schöne grüne Farbe behält. Mit einer Gabel grob zerdrücken und mit zwei, drei Löffeln Hühnerbrühe auf Dip-Konsistenz bringen. Mit Rohrzucker, Salz, Pfeffer und scharfen Paprika abschmecken, einen gehörigen Schuss Cachaca und etwas Olivenöl unterrühren. Mit kleingeschnittener Minze und den in feine Ringe geschnittenen Frühlingszwiebeln vollenden. In Schälchen füllen und als Dip reichen. Passt ausgezeichnet zu Garnelenspießen. Oder einfachen Taco-Chips. Oder Quibe.

 

 

Was »Quibe« sein soll? Quibe sind brasilianische Bouletten, die man aus Rinderhack und Bulgur zubereitet und mit Minze und Koriander würzt. Wir brauchen für eine Platte Quibe 500 Gramm Gehacktes vom Rind, 250 Gramm Bulgur, 2 Zwiebeln, Knoblauch, Minze, Koriander, Cayennepfeffer, ein bisschen Mehl und Öl zum Frittieren. Wir geben den Bulgur mit der zweifachen Menge Wasser in einen Kochtopf, salzen, lassen aufkochen uns lassen ihn dann so zehn Minuten auf kleiner Flamme köcheln oder ziehen, bis er das Wasser aufgesogen hat. Wenn er soweit abgekühlt ist, dass man ihn verarbeiten kann, verkneten wir ihn mit dem Hackfleisch, den feingeschnittenen Zwiebeln und dem zerdrückten Knoblauch. Wir würzen mit Salz und Cayennepfeffer und gehen jetzt ein paarmal mit dem Pürierstab durch die Masse, um Bulgur und Gehacktes feiner zu zermusen. Das ist wichtig, sonst fallen die Quibe beim Frittieren auseinander. Jetzt geben wir noch feingeschnittene Minze und Koriander zu unserem Hackfleischteig und formen Cevapcici-artige Röllchen. Quibe-Profis kriegen vollkommen ebenmäßig gerundete Kegel hin, dafür bin ich feinmotorisch zu stark herausgefordert. Jetzt bringen wir in einem Topf oder Wok (besser!) zwei, drei Zentimeter hoch neutrales Pflanzenöl auf Hitze, wenn an einem hölzernen Kochlöffel Bläschen aufsteigen ist‘s richtig. Die Quibe noch schnell in Mehl wälzen und dann portionsweise unter gelegentlichem Wenden ausbacken. Das dauert zwischen 5 und 10 Minuten, je nachdem, wie dick man sie gemacht hat. Auf Küchenkrepp entfetten, am besten lauwarm und mit Limettensaft beträufelt vor den Fernseher stellen.

 

 

Und für die Süßmäuler stellen wir einen original brasilianischen Schokoladenkuchen hin, die »Nega Maluca« (heißt übersetzt »verrückte Negerin«, keine Ahnung, warum). Ein leckeres, total einfaches und hundertprozentig idiotensicheres Rezept, das sogar Back-Trottel wie ich bewältigen können. Dafür brauchen wir 4 Eier, 500 Gramm Mehl, 300 Gramm Zucker, eine halbe Tasse neutrales Öl, 1 Tasse kochendes Wasser, 200g Nesquik (»richtiges« Kakaopulver geht auch, kann den Kuchen aber evtl. zu bitter werden lassen, das hängt von der Sorte ab), 1 gehäufter Esslöffel Backpulver. Für den Kuchenguss brauchen wir eine halbe Dose gezuckerte (wichtig!)Kondensmilch (z. B. Milchmädchen o.ä.), 6 Esslöffel Nesquik und 6 Esslöffel Milch.

 

 

Backofen auf 160 Grad vorheizen, Springform fetten, alle Zutaten für den Teig verrühren, in die Springform füllen, für 30 bis 40 Minuten in den Ofen schieben. Stäbchenprobe machen, aus dem Ofen nehmen, abkühlen lassen. Alle Zutaten für den Guss in einem Topf unter Rühren köcheln lassen, bis die Masse eindickt und sich vom Topfboden löst. Auf dem abgekühlten Kuchen verstreichen, in fingergerechte Stücke schneiden und vor den Fernseher stellen.

Fehlt noch was? Außer ‘nem guten Spiel und kalten Getränken hoffentlich nicht!

 

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

Pizza Boykott bei WM-Aus gegen Italien? 

Kochen für Männer: Bier-Gulasch 



 

Alle Fotos in diesem Artikel (c) Chris Kurbjuhn

Über den Autor Kurbjuhn

Chris Kurbjuhn lebt und schreibt in Berlin. Neben Drehbüchern, Theaterstücken und Musicals schreibt und betreut er mehrere Blogs, u. a. Männer unter sich – Die Kunst, ein Kerl zu sein Seine kulinarischen Erlebnisse schildert der engagierte Hobbykoch, der schon einmal unter Wolfram Siebecks Augen einen Strudelteig ausgezogen hat, auf Mit 55 Jahren um die Welt . Ideologien schätzt Kurbjuhn weder im Leben noch auf dem Teller. „Probiert wird alles!“, ist das Motto des bekennenden Innereien-Fans, und meistens wird er angenehm überrascht. Wofür sicherlich auch die Küchenvielfalt der Berliner Gastronomie verantwortlich ist. Chris Kurbjuhn
Autor Profil ansehen

Kommentare (1) -

 

Supa Tipps - danke!!!

17.06.2014 19:31:25 #
| Monte Bello

Kommentar hinterlassen


Loading
* Pflichtfelder