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Restaurantknigge für zu Hause und unterwegs - Essensreste, Stäbchen und Tischgespräche

26. November 2012 von Jeannette Stowasser

Essen dient nicht nur der Nahrungsaufnahme. Im Lauf der Zeit haben sich viele Regeln rund ums Essen entwickelt, die das gemeinschaftliche Miteinander am Tisch ordnen und soziale Unsicherheiten vermeiden sollen. Darf man unter Freunden einfach reinhauen, ohne darüber nachzudenken, sieht das in schicken Restaurants schon anders aus. Oder bei Dates. Oder in fremden Ländern. Denn jeder Mensch, jede Situation und jede Kultur halten für unbedarfte, hungrige Zeitgenossen Fallstricke bereit, die unangenehme Folgen haben können …


Knigge für edle Restaurants

In jedem edlen Restaurant stehen sie bereit, die Fettnäpfchen, in die Normalsterbliche gerne treten. Denn wer es nicht an die hier geltenden ungeschriebenen Gesetze gewöhnt ist, wird mehr mit deren Einhaltung als mit dem Essen beschäftigt sein. Die gute Nachricht: Dafür schmeckt das Essen meist verboten lecker.

Problem Nummer Eins: In einem schicken Restaurant gilt es, Haltung bewahren. Also: Den Rücken gerade aufrichten, die Arme an den Körper anlehnen und niemals die Ellenbogen auf dem Tisch ablegen. Selbst die Handgelenke sollten den Tisch nicht berühren, wenn man gerade mit seinem Besteck zugange ist.

Aber auch das Besteck ist manchmal eine große Herausforderung für unbedarfte Gäste. Wen die Anzahl verschiedener Gabeln, Löffel und Messer verwirrt, kann sich an diese Faustregel halten: Das Besteck wird von außen nach innen „abgearbeitet“ und nach Benutzung auf dem leeren Teller abgelegt.

Natürlich haben wir alle gelernt, mit Messer und Gabel umzugehen. Doch manchmal darf man nur Messer, manchmal nur Gabeln – und bisweilen sogar die Hände – benutzen. Pasteten beispielsweise dürfen nur mit der Gabel oder dem Löffel gegessen werden. Bei Garnelen und Maiskolben dürfen auch die Finger ran. Wer glaubt, dies sei bei Baguette selbstverständlich, wird sich wundern: Das Brot darf man zwar mit den Händen brechen, aber man sollte dabei beachten, es in mundgerechte Stücke zu teilen. Denn Abbeißen ist tabu. 

Und falls etwas daneben geht, haben Sie hoffentlich daran gedacht, die Serviette auf Ihren Schoß zu legen. Aber nicht irgendwie, sondern einmal gefaltet, bitte. Wer zwischendurch auf die Toilette muss, braucht nicht zu verzweifeln, sondern legt die Serviette einfach links neben den Teller.

Es gibt noch mehr Tücken, die beim Essen zu beachten sind. Ob Ihr Gegenüber den Knigge nur scheinbar kennt oder wirklich Bescheid weiß, zeigt sich beispielsweise an einem winzigen Stückchen Petersilie. Oder anderen kleinen Essensresten, die sich zwischen den Zähnen verfangen haben. Wer nun den Zahnstocher hervorholt und seine Machenschaften mit der Hand zu verdecken sucht, ist zielgenau ins Fettnäpfchen gelaufen. Denn so darf man sich leider nur unter Freunden oder in den Lokalen der Normalsterblichen verhalten. In teuren Restaurants oder bei Geschäftsessen muss man für derartige Angelegenheiten die Toilette aufsuchen.

Wer dagegen eine Suppe bestellt hat und keinen Tropfen zurückgehen lassen möchte, sollte den Suppenteller beim Auslöffeln nicht kippen. Lieber die Reste der Suppe in dafür vorgesehene Suppentasse schütten und dann bedächtig auslöffeln. Und wenn Ihr Gesprächspartner gerade fröhlich bei der Sache ist, sollten Sie ihn nicht ansprechen, wenn er gerade etwas im Mund hat. Denn – und das wissen schon die Kinder: Mit vollem Mund spricht man nicht. 

Haben Sie bis jetzt noch keinem Fehler begangen, gibt es dafür noch reichlich Gelegenheit, wenn Sie mit dem Essen fertig sind. Denn wohin nur mit der Serviette? Auch Papierservietten dürfen nicht zusammengeknüllt werden, sondern werden links neben den Teller drappiert. Und zwar so: Die Öffnung der Serviette sollte zu Ihnen zeigen oder der Knick zum linken Tischnachbarn. 

Sollte das Essen wider Erwarten nicht geschmeckt haben, darf man ruhig seine Meinung äußern. Doch dabei stets höflich und sachlich bleiben!

 

Knigge für das erste Date

Beim ersten Date gelten ganz andere Gesetze als im Nobelrestaurant. Diese sind nur leider nicht gerade unkomplizierter. Denn hier gibt es ganz andere Fallen, die auf (Liebes-)Hungrige warten.

Essen entspannt und lenkt ab. Das nützt besonders denjenigen, die aufgeregt sind und ja keinen Fehler machen wollen. Denn dann kommt der Fauxpas bestimmt. Der Restaurantbesuch hat noch einen weiteren Vorteil: Gesprächspausen sind nicht automatisch peinlich, sondern ergeben sich von selbst, wenn gerade der Mund voll ist. Ansonsten darf über alles gesprochen werden, was beide interessiert und die Privatsphäre nicht verletzt. Beim ersten Date sind das meist keine Geschichten über den Expartner oder jammervolle Ergüsse über die Schattenseiten des Lebens, sondern nette, witzige und unterhaltsame Gesprächsthemen.

Und schließlich stellt sich die alles entscheidende Frage: Wer zahlt? Hier scheiden sich die Geister. Denn viele moderne Frauen gehen nicht davon aus, dass der männliche Begleiter wie in längst vergangenen Zeiten für die Rechnung aufkommen muss. Andere finden eine solche Geste charmant. Wieder andere fürchten, an das Zahlen der Rechnung wären irgendwelche Erwartungen geknüpft. Ein riesen Durcheinander also. 

Um einen Fauxpas zu vermeiden, ist es eine geschickte Lösung, schon vor dem Restaurantbesuch zu klären, dass es sich um eine Einladung handelt. Oder nichts dergleichen zu erwähnen und während des Gesprächs herauszufinden, mit welcher „Sorte Frau“ Mann es hier zu tun hat. 

Ist diese Hürde genommen, fehlt nur noch die stilechte Verabschiedung. Aufdringliche Küsse können schnell nach hinten losgehen. Ist die Atmosphäre locker und entspannt, wird eine freundschaftliche Umarmung jedoch nicht verkehrt sein. Im Zweifelsfall sagt der gesunde Menschenverstand, ob das Gegenüber kühl und distanziert oder offen und herzlich ist. Wer entsprechend reagiert, kann nicht falsch liegen.

 

Italien: Siesta, Spaghetti und Sparschweine

Sind die Tischsitten in Deutschland schon kompliziert genug, so tun sich in fremden Ländern ganz andere Abgründe auf. Manchmal sind diese aber auch ganz angenehm.

Denn in Italien beispielsweise ticken die Uhren etwas anders. Zum Glück. Weil die Siesta durchaus etwas länger dauern darf, gehen die Italiener auch später ins Restaurant. Zu deutscher Abendbrotzeit, zwischen 18 und 19 Uhr also, sind italienische Lokale wie leer gefegt. 

Betritt man dann zu angemessener Uhrzeit das Restaurant, sollte man sich nicht gleich auf den nächstbesten Tisch stürzen. Das gilt als unhöflich. Lieber also warten, bis ein Kellner kommt und einen Tisch zuweist.

Wer eine Portion Spaghetti bestellt, hat nun den Salat. Denn wenn Sie die langen Nudeln essen und dabei noch elegant aussehen möchten, sollten Sie schon vor dem Urlaub zu trainieren beginnen. Vor allem, da sich Touristen in Italien unter verschärften Bedingungen beweisen müssen: Hier ist es nicht üblich, die Spaghetti in einem Löffel aufzurollen. Als Hilfsmittel ist nur die Innenseite des Tellerrands erlaubt.

Ist diese Hürde genommen und sind die Spaghetti verdaut, fehlt nur noch die Rechnung. DIE Rechnung – nicht mehrere. Denn in Italien zahlt einer für alle und am Ende wird der Betrag durch die Anzahl der Gäste geteilt. Wer darauf besteht, nur das zu bezahlen, was er tatsächlich gegessen hat, outet sich als penibler Deutscher. Ähnliches gilt übrigens auch für Frankreich.

 

USA: Die schnellen Esser

In Amerika gibt es ganz andere Feinheiten zu beachten. Das fängt mit praktischen Details an: Amerikaner lieben Klimaanlagen. Auch in Restaurants. Auch wenn es draußen kühl ist. Deshalb sollten Sie immer eine Jacke dabei haben, wenn Sie im Land der riesigen Kühlschränke ein Restaurant ansteuern. 

Nachdem Sie das Lokal betreten haben, sollten Sie nicht einfach auf den nächsten freien Platz stürmen. Das ist nur in Fast-Food-Restaurants erlaubt. Doch selbst hier wird es nicht gern gesehen, wenn man sich einfach irgendwo dazusetzt. Selbst wenn man dabei freundlich dreinschaut und nett fragt. 

Haben Sie einen Platz gefunden, sollten Sie diesen nicht zu lange in Anspruch nehmen. Denn im Amerika gilt: Essen, austrinken, bezahlen. Fertig. Nichts mit stundenlangen Diskursen über Gott und die Welt. Wenn die Bedienung mit der Rechnung kommt, sitzen Sie schon in der Patsche, denn dies ist eine höfliche Aufforderung, nun endlich den Tisch zu räumen. 

 

Japan: Naseputzen verboten!

Japan ist das Land der Regeln und Tabus. Einem Touristen wird zwar viel verziehen, aber die ein oder andere Gepflogenheit sollte man doch beachten, um nicht unangenehm aufzufallen. 

Auf jeden Fall sollten Sie pünktlich im Restaurant erscheinen. Wird man eingeladen, darf man sich nicht nur in puncto Bezahlung zurücklehnen: Der Gastgeber bestellt auch das Essen und schenkt nach. Anders als in Deutschland gilt Schlürfen als Teil der Etikette: Halten Sie sich also nicht zurück, wenn die Suppe schmeckt.

Anders sieht das schon beim Naseputzen aus. Japaner sind schnell angewidert – besonders von Erkältungskrankheiten. Auf keinen Fall sollte sich ein Tourist also dazu hinreißen lassen, sich bei Tisch die Nase zu putzen. Dafür lieber auf die Toilette gehen. 

Weitere Fallen tun sich auch bei dem Gebrauch der asiatischen Stäbchen auf. Doch mit ein bisschen Übung und Fingerfertigkeit hat man den Dreh schnell raus. Solange man mit den Stäbchen nicht auf andere zeigt, sie als Gabel benutzt oder sie in die Schüssel steckt, hat man noch keine Sünde begangen. Und falls doch ein Ausrutscher passiert ist, können unbedarfte Touristen sich mit gutem Benehmen schnell aus der Affäre ziehen. Denn wer sich gut in die japanischen Gepflogenheiten einfügt und stets das Gesicht wahrt, wird schnell Teil der japanischen Harmonie. Wildes Gestikulieren und leidenschaftliche Ergüsse über dies und das sind im Restaurant nicht gern gesehen. Und wahrscheinlich auch sonst nirgendwo in Japan.


 

Nun sind Sie für jeden Restaurantbesuch gewappnet. Nicht einmal Essensreste zwischen den Zähnen, Erkältungen in Japan oder Spaghetti in Italien können Sie jetzt noch zurückhalten. Falls Sie noch weitere Fallgruben kennen, in die Touristen aller Herren Länder gerne tappen, können Sie Ihre Tipps gerne als Kommentar hinterlassen. Damit auch wirklich nichts mehr schief geht. In diesem Sinne: Enjoy your meal, buon appetito und itadakimasu!

 

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Bildrechte:

Stäbchen: madman_450 (sxc.hu), Spaghetti: mapelc (sxc.hu), Weingläser: CELALTEBER (sxc.hu)

 

Über den Autor Jeannette Stowasser

Jeannette Stowasser ist Online-Redakteurin und betreut unter anderem den Städtereisenblog stadt-spass.de Auf ausgedehnten Reisen durch Europa und Asien lernte sie einige kulinarische Höhepunkte – und Tiefpunkte – kennen. Dazu gehören Dosenravioli, die in kargen Bergwelten abseits der Zivilisation tatsächlich schmecken; Suppen, die man mit Stäbchen essen kann und das beste Müsli der Welt, das in einem indischen Café nach Wochen voller Masala herrlich schmeckte. Denn wer reist, hat viel Hunger – und viel zu erzählen!
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