Bookatable folgen

Was isst man in... Kambodscha?

01. Oktober 2014 von Globetrottergirls

Arachnophobiker schütteln sich beim Anblick der großen Schüsseln, die mit hunderten Taranteln gefüllt sind (oder rennen gar schreiend davon), aber die Einheimischen der kleinen Stadt Skuon nördlich von Phnom Penh lieben diese örtliche Spezialität: A-Ping. Glücklicherweise sind die Taranteln in den Schüsseln nicht mehr lebendig, sondern frittiert.

 

Delikatesse in Kambodscha: Taranteln

 

Der Ursprung dieser kulinarischen "Spezialität" liegt in der Zeit des Khmer Rouge Regimes (1975-1979), als ein Großteil der Bevölkerung stark unter Hunger litt. In ihrer Verzweiflung aßen viele Leute alles, was sie finden konnten, einschließlich Insekten, Wurzeln und eben auch Taranteln.


Während die meisten Speisen dieser für Kambodscha schwierigen Zeit unschöne Erinnerungen hervorrufen, sind ausgerechnet die Taranteln auf den Märkten und einigen Restaurants in der Region nördlich von Phnom Penh erhalten geblieben - heutzutage jedoch stark gewürzt und frittiert, während die Leute damals oftmals gezwungen waren die haarigen Achtbeiner roh zu essen.

Wenn man diese ungewöhnliche Spezialität auf einer Kambodschareise einmal ausprobieren möchte, hat man zwei Möglichkeiten: entweder begibt man sich auf den Russischen Markt in Phnom Penh (sowieso einen Besuch wert, schon allein um andere zweifelhafte Delikatessen, wie zum Beispiel Kröten, zu bewundern) oder in Skuon und hält Ausschau nach den Frauen, die die riesigen Schüsseln mit sich herumtragen. Oder man begibt sich in eines der Restaurants, die Taranteln anbieten (eine schnelle TripAdvisor Suche ist hierbei sehr hilfreich).

 

Trantel auf der Speisekarte


Damit ist jedoch erst die halbe Arbeit getan; der harte Teil kommt erst noch. Wenn die Spinnentiere dann vor einem auf dem Teller liegen, kostet es meist eine ziemliche Überwindung den ersten Bissen zu tun. Am besten beginnt man mit einem Beinchen - die können von der Konsistenz her fast als Salzstange durchgehen. Dippt man sie dann noch in die dazugereichte Chilisauce könnte man glatt vergessen, dass man auf einer Tarantel herumkaut.

Die wahre Herausforderung ist es, in den dicken Körper zu beißen. Während dieser zwar äußerlich knusprig frittiert erscheint, ist das Innenleben immer noch sehr schleimig - am ehesten zu vergleichen mit der Sensation in eine haarige Stachelbeere mit weichem Inneren zu beißen, nur größer.

Ausgewachsene Taranteln können die Größe einer menschlichen Hand erreichen, aber die zum Verzehr gefangenen Spinnen sind normalerweise nicht größer als ein Handteller - einschließlich der Beine. Ein kleinerer Körper sorgt dafür, dass die Tarantel knuspriger gebraten werden kann. Und je knuspriger, desto weniger schleimig sind die Taranteln.

 

Tarantel auf dem Teller


Bevor das Tier jedoch in heißes Öl geworfen wird, wird es kurz in einer Gewürzmischung aus Salz, Knoblauch, dem Geschmacksverstärker MSG und etwas Zucker getunkt - ansonsten würde das Insekt nämlich nicht nach viel schmecken.

 

Frittierte Taranteln

 

Dieser Snack ist insbesondere bei Frauen beliebt: es heißt, Taranteln verbessern die natürliche Schönheit. Aber sie sind nicht nur schönheitsfördernd, sondern auch ein proteinreicher Snack! Für nur 500 Riel (ca. 10 Cent) kann man sich sogar gleich mehrere gönnen, ohne dabei arm zu werden.


Taranteln sind übrigens nicht die einzige bizarre Delikatesse in Kambodscha - wer mutig ist und einen Gaumen für exotische Genüsse hat, kann Schildkröten (die Tiere werden gegart, hinterher wieder zusammengesetzt und in der Regel mit zwei oder drei Schildkröteneiern serviert), Schlangen oder ein paar gegrillte Heuschrecken essen, geflügelte Ameisen und Wanzen naschen, ein weiterer begehrter proteinreicher Snack in Kambodscha.


Was war das Exotischste auf Eurem Teller?

 

Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

Durian - Genuss der etwas anderen Art

District Mot - Wie auf den Straßen Saigons

 

Alle Fotos in diesem Artikel (c) von den Globetrotter Girls.

Über den Autor Globetrottergirls

Dani Heinrich reist seit April 2010 als digitale Nomadin non-stop um die Welt und berichtet auf ihrer Webseite "Globetrottergirls.com" über ihre Abenteuer, kulinarische Entdeckungen, Missgeschicke und Höhepunkte ihrer Reisen. Die Vegetarierin liebt Street Food, Road Trips und Großstädte. Mexiko, Guatemala und Kambodscha sind drei Länder, von denen sie nicht genug kriegen kann. Autor Profil ansehen

Kommentar hinterlassen


Loading
* Pflichtfelder